|
Wenn die WBO das Tafelsilber ist, dann ist
die EVO gewiss das Tafelgold, oder vielmehr der Goldesel der Stadt. Seit
Jahren fließen die Gewinne der EVO in Form von Dividenden an die StOAG und
helfen so, den Nahverkehr in Oberhausen attraktiv zu halten. Zusätzlich stellt die EVO verlässlich
Arbeits- und Ausbildungsplätze zur Verfügung, was in unserer Stadt nach dem
Rückzug von Kohle und Stahl und dem Zusammenbruch der Babcock auch keine
Selbstverständlichkeit mehr ist. Ungeachtet dessen hat der Rat beschlossen, nach der WBO und den Kanälen jetzt auch den größten Teil der EVO-Aktien zu verkaufen. Die abenteuerliche Rechnung, die dahintersteht sieht wie folgt aus: Mit den Einnahmen aus dem Verkauf, man spricht von 70 Millionen Euro, wird der Haushalt so frisiert, dass die Bezirksregierung neue Kredite genehmigt. Und damit kann man dann den Eigenanteil der Stadt an der O-Vision und an der Straßenbahnlinie 105 finanzieren. Oder, wie ein Oberhausener an einem unserer Infostände treffend formulierte: „wenn der das Geld in die Finger bekommt verpulvert der das sofort wieder“. Der Verkauf des städtischen Vermögens dient somit keineswegs zur Sanierung des Haushalts. Es ist ohnehin eine Illusion, mit Vermögensverkäufen den Haushalt sanieren zu wollen: Auch anschließend sind die Ausgaben höher als die Einnahmen, neue Defizite sind vorprogrammiert die Lage wird eher schlechter als vorher. Und zwar aus zwei Gründen: Erstens fehlen die Dividenden der EVO der StOAG, also muß die Stadt das höhere Defizit ausgleichen, und zweitens bedeuten O-Visions und Linie 105 neue finanzielle Risiken für die Stadt. Schließlich will die Stadt sich verpflichten, den Vergnügungspark mindestens 10 Jahre zu betreiben. In seinem Beschluss ist der Rat bereits auf
mögliche Kritikpunkte eingegangen und hat Bedingungen für den Verkauf
festgelegt. So soll zum Beispiel der Einfluss der Stadt im Aufsichtsrat
unverändert bleiben, eine Standortgarantie soll vereinbart werden und der
Besitzstand der Beschäftigten soll nicht angetastet werden. Allerdings sagt
uns die Erfahrung, das Papier geduldig ist. Und Standortgarantie ist gewiss
ein dehnbarer Begriff. Streng genommen könnte eine Trafo-Station
auch ein Standort sein, ein Kraftwerk braucht es dazu jedenfalls nicht. Oder
ein Kundenzentrum, oder Werkstätten. Oder der Einfluss im Aufsichtsrat. Die
Stadt wird ihre Posten weiter besetzen können, da besteht kein Zweifel. Aber
auf Ebenen, die der Aufsichtsrat gar nicht wahrnimmt, da werden sich
Änderungen vollziehen. Wenn z.B. ein zentraler Einkauf plötzlich das
Aufträge nicht mehr in Oberhausener
Firmen vergibt. Und selbst die Besitzstandswahrung für die
Beschäftigten lässt manche Fragen offen, zum Beispiel wo ein Arbeitsplatz
garantiert wird. Das
erfolgreiche Bürgerbegehren gegen den Verkauf des Kanalnetzes hat gezeigt,
dass die Oberhausener solche für die Zukunft der Stadt wichtigen Fragen
selbst entscheiden wollen. Auch der Verkauf der EVO-Anteile muß Gegenstand
eines Bürgerendscheides werden. Helfen sie mit Ihrer Unterschrift ein Stück
Demokratie zurückzuerobern und den Verkauf zu verhindern. Hände weg vom kommunalen Eigentum
– Hände weg von den Stadtwerken! |
|
Erst das Silber, dann das
Gold? |